Als am Samstag der Alarm für die Feuerwehr Iphofen schrillt, wissen die Beteiligten zwar, dass der Ernstfall hier nur simuliert wird und der "Verkehrsunfall mit Verletzten auf der Verladestraße im Logistikzentrum der Firma Knauf" nur ein Übungsszenario ist. Nicht bewusst ist ihnen allerdings, was sie in den nächsten Minuten am Einsatzort erwarten wird und wie sehr sie gefordert sein werden.
Zwei Fahrzeuge sind frontal zusammengestoßen, eine Person ist schwer verletzt, eine weitere noch im Auto. Was sich zunächst nach einer im Feuerwehralltag oft erlebten Situation anhört und in der Regel gut beherrschbar ist, gerät bei näherer Betrachtung dann doch zu mehr als Routine. Als Kommandant Stefan Melber die Lage erkundet, stellt er sehr schnell fest, dass dies ein besonderer Einsatz wird. Denn es handelt sich um einen angenommenen Gefahrgut-Unfall.

Gefahrstoff in Form radioaktiver Strahlung könnte ausgetreten sein. Entsprechende amtliche Warnzeichen sind an einem der Unfallfahrzeuge zu erkennen. Sofort verständigt Melber die Rettungsleitstelle, die den entsprechenden Zusatzalarm auslöst: Der Feuerwehr-Gefahrgutzug des Landkreises rückt aus. Er besteht aus den Feuerwehren Kitzingen, Iphofen, Sickershausen und Wiesentheid und stellt eine schlagkräftige Truppe aus verschiedenen Spezialeinheiten mit vielfältiger Ausstattung dar.
Hinzu kommt die landkreisweite Unterstützungsgruppe der örtlichen Einsatzleitung. "Sie assistiert dem Einsatzleiter bei der Kommunikation und allem, was so im Hintergrund abläuft, um der Führung die Arbeit zu erleichtern", erklärt Jonas Wirth von der Feuerwehr.
Viele Fragen müssen bei dem Gefahrgut-Einsatz geklärt werden
Die genannten Wehren bilden eine Einheit, die zwar nicht so häufig alarmiert werden muss, aber im Ernstfall routiniert und professionell reagiert. Dafür wird jährlich einmal in Theorie und Praxis geübt. Die Ordnung des Raumes ist jetzt sehr wichtig. Wo sind die Absperrgrenzen zum Gefahrenbereich? Aus welcher Richtung weht der Wind? Wo stelle ich die Fahrzeuge ab? Manuel Fuchs ist der Kreisbrandmeister "Gefahrgut", der jetzt rasch Entscheidungen treffen muss.

Die Feuerwehr Sickershausen trifft mit dem Dekontaminationsfahrzeug ein. Es führt alles mit, womit man giftige Stoffe rasch von Kleidung oder Gegenständen entfernen oder trennen kann. Dabei hilft auch das Dekontaminations-Nachweisgerät. Die Gruppe baut an der Absperrgrenze eine Station auf. Alle, die in der Nähe des Einsatzortes waren, müssen sie passieren. Mit dem Nachweisgerät werden die Personen auf Schadstoffe getestet. Kontaminierte, also mit Schadstoffen behaftete Kleidung wird sofort abgelegt und gesondert verpackt.
Die Spezialkräfte erinnern in ihren Anzügen an "Michelin-Männchen"
Auch das BRK Kitzingen kommt mit einem Rettungswagen, besetzt mit Notfallsanitätern, die noch in der Ausbildung sind. Ein solches Szenario ist Teil ihres Programms. Von anderen Feuerwehrleuten werden die Atemschutzträger in spezielle Ganzkörperanzüge gepackt, die Armbündchen abgeklebt. Zwei zusätzliche Kräfte sind dazu pro Mann erforderlich, damit das Einkleiden schneller geht. Einige stecken in gelben Anzügen, die sogar ihre Atemschutzgeräte bedecken. "Wie das Michelin-Männchen schauen die aus", kommentiert ein Zuschauer. Und: "Bewundernswert, wie sicher die sich noch bewegen können!"

Nach dem Bergen einer verletzten Person beginnt die Feuerwehr mit der Sicherung der Ladung. Verdächtiges Material wird in einem Metallfass gesammelt. Kommandant Stefan Melber ist mit dem Übungsverlauf zufrieden und spricht von "lediglich kleinen Stellschrauben, an denen noch gedreht werden muss". Er betont, wie schwierig solche Einsätze zu handhaben sind, da sie eben nicht oft vorkommen. Aber: "Wir sind ein Team, in dem jeder weiß, was zu tun ist."