René Emil Klein (34) lebt mit seiner Familie in Gnötzheim, wo er gerade ein Pilzbüro einrichtet. Der Studienrat für den Förderschuldienst hat vergangenes Jahr seine Prüfung als Pilzsachverständiger abgelegt.
Frage: Woher kommt Ihre Begeisterung für Pilze?
René Emil Klein: Ich habe mich im Studium der Biologie als Unterrichtsfach sehr mit dem Thema Nahrung aus der Natur beschäftigt. Gerade der Bereich Pilze strahlt eine enorme Faszination aus. Dass mich Pilze so gefesselt haben, liegt wohl an der unerschöpflichen Vielfalt.
Wann fing alles an?
Klein: Mit einem kleinen Bestimmungsbuch und dem Wunsch, so schnell wie möglich einige Pilzarten zu lernen, die man essen kann. Als Notnahrung sind Pilze ein gutes Thema für eine gesunde Ernährung. Da ich aber sehr schnell an die Grenzen von Literatur gestoßen bin und große Angst vor Vergiftungen hatte, habe ich meinen kleinen Pilzbestimmungsfundus schnell erweitert. Mit fünf Büchern wurde das Thema aber nicht einfacher, sondern komplexer.
Wie viele Pilzarten gibt es eigentlich?
Klein: Eine Zahl lautet: 1,5 Millionen Arten. Ich muss dazu erwähnen, dass Pilze eine Koevolution mit den Pflanzen verfolgten. Das bedeutet, dass sie sich stets passend zu den evolutionären Entwicklungen von Pflanzen parallel mit entwickelt haben. Aber Pilze besetzen wesentlich mehr ökologische Nischen als Pflanzen. In Deutschland gibt es etwa 6500 Großpilzarten, dazu zählen Steinpilze oder Pfifferlinge.
Ihr ungewöhnlichster Fund?
Klein: Ein Schwefelporling in sehr ungewöhnlicher Fruchtkörperform. Dieser Pilz wächst in der Regel an Obstbäumen dachziegelig am Stamm.
Ihr Pilz-Lieblingsessen?
Klein: Es gibt kein richtiges Lieblingsessen – vielmehr ein kleines Sortiment an Rezepten. Ich habe im Mai diesen Jahres einen gedünsteten Schuppigen Stielporling gegessen, der mich sehr begeistert hat. Auch der gegrillte Parasol und Perlpilz sind hervorragend. Den Pilzhut in Alufolie, mit etwas Butter überlaufen, auf dem Grillrost – kann ich nur empfehlen. Auch die Krause Glucke hatte mich begeistert und eine Stockschwämmchensuppe mit Herbsttrompetenpulver zum Andicken und für das Aroma sind ebenfalls sehr zu empfehlen.
Für ein gutes Pilzgericht würde ich . . .
Pilz: . . . einige Stunden durch den Wald ziehen und suchen und auch andere Länder besuchen. Ich bin unheimlich neugierig auf echte Périgord Trüffel. Und auch auf den Kaiserling, der im alten, römischen Reich nur den Cäsaren vorbehalten war. Die Zubereitung im gemeinen Volke wurde mit schweren Strafen geahndet. Es gibt im Pilzreich noch einige Aromen, die es zu erleben lohnt.
Wie viel Zeit wenden Sie für die Suche auf?
Klein: Ich verbringe viel Zeit im Wald, wobei ich gerne wesentlich mehr Zeit dort verbringen würde, als ich tatsächlich aufbringen kann. Ich denke, ich komme auf bis zu zehn Stunden pro Woche.
Von wann bis wann geht eigentlich die Pilz-Zeit?
Klein: Das ist ja das wundervolle, sie endet nicht. Man kann im gesamten Jahr Pilze sammeln gehen. Es gibt Esspilze, die ausschließlich bei Schnee und Eis fruktifizieren, wie zum Beispiel der Frostschneckling oder der Samtfußrübling. Andere Pilze kommen nur im Frühling und wiederum andere nur zum Sommerbeginn. Der Herbst gilt natürlich als pilzreichste Zeit.
Kann eigentlich jeder überall sammeln?
Klein: Im Grunde genommen kann jeder überall sammeln, nur essen kann und sollte nicht jeder seine Funde. Man sollte für das Sammeln von Esspilzen ein gutes Grundwissen mitbringen, denn es gibt viele Giftpilze, die Esspilzen ähnlich sehen. Ein anderer Punkt stellt die rechtliche Seite dar, denn Waldgesetz, Artenschutzgesetz und Naturschutz geben dem Naturfreund ein paar Grenzen auf. Die wichtigste Frage ist die nach der Pilzmenge, die ich als Sammler aus dem Wald nach Hause bringen darf. Hier gibt es eine Sammelbegrenzungen, der Eigenbedarf darf nicht überschritten werden. Mit einem Korb Pilze pro Tag befindet man sich auf der rechtlichen Seite.
Was passiert bei den Pilzlehrwanderungen?
Klein: In erster Linie möchte ich jung und alt für Naturereignisse begeistern. Mit einer von mir erstellten Fruchtkörperfibel werden Pilze gesammelt, anschließend werden die Funde sortiert, zugeordnet und erklärt. Die Lehrwanderung soll die Vielfalt darstellen, Ehrfurcht davor wecken und auch Neugierde.
Ihr bösestes Erlebnis mit Giftpilzen?
Klein: Ich bin heilfroh, dass mein schlimmstes Erlebnis mit Giftpilzen nur dieses war, dass meine kleine Tochter einen Helmling von der Wiese gepflückt und sich an das Gesicht gehalten hatte.
Wie gefährlich sind Giftpilze im Extremfall?
Klein: In Deutschland gibt es mit die giftigsten Pilze der Welt, etwa den grünen und weißen Knollenblätterpilz, die für einen Großteil der Todesfälle bei Pilzmahlzeiten verantwortlich sind und einige Arten der Schleierlinge und Risspilze. Das gefährliche an diesen Pilzgiften ist, dass sie nicht sofort ihre gefährlichen Symptome zeigen, sondern erst nach Tagen tödlich wirken. Einige sehr gute Esspilze sind direkte Doppelgänger zu diesen Giftpilzen, daher sollte dem Thema Pilze mit äußerstem Respekt begegnet werden. Bei mehr als 1,5 Millionen Pilzarten würde ich niemals mit jemandem sammeln gehen, der behauptet, alle Pilze zu kennen.
Bei der Pilzlehrwanderung am Schwanberg erwartet die Teilnehmer . . .
Klein: . . . hoffentlich viel Spaß, eine Begegnung mit einem interessanten Thema, dazu viel neues Wissen. Mit Glück auch ein kleiner Fundus an Esspilzen für zu Hause zum Probieren. Als Erinnerung an die Pilzlehrwanderung ist in der Aufwandsentschädigung die Pilzfruchtkörperfibel mit enthalten.
Weitere Infos: Pilzberatungen von Montag bis Freitag von 18 bis 20 Uhr mit Voranmeldung. Anmeldungen – auch für Pilzlehrwanderungen, Vorträge und Kure – im Internet unter www.Pilzkurse-Emil.de.tl oder www.Pilzkurse-um-Kitzingen.de.
Der nächste Termin: Sonntag, 14. Oktober, 10 bis 14 Uhr, Pilzlehrwanderung am Schwanberg. Erwachsene zahlen zehn Euro; Kinder bis 14 Jahre einen Euro. Treffpunkt ist am Schloss Schwanberg auf dem Parkplatz.