Ein Arbeitsplatz umgeben von Blumen und Pflanzen: So könnte man sich die Arbeit auf der Bundesgartenschau (Buga) vorstellen. Ganz so idyllisch ist der Alltag von Max Daus dann aber doch nicht. Einen Großteil seiner Arbeitszeit verbringt der 30-Jährige im Büro. Er kümmert sich als Projektleiter um die Blumenhallen auf der Gartenschau. "Ich organisiere, manage und bereite vor. Selbst Blumen anpflanzen gehört jedoch nicht zu meinen Aufgaben", erzählt Daus.
Doch seit die Schau im April begonnen hat, verbringt er immer mehr Zeit draußen in den Hallen, nimmt Lieferungen entgegen und schaut, wie seine Pläne vor Ort umgesetzt werden. Daus ist gebürtiger Lohrer und hat in Weihenstephan Gartenbau studiert. In Berlin hat er dann noch seinen Master gemacht. Auch bei der Buga in Erfurt 2021 war er schon dabei, seit April 2022 arbeitet er für die Schau in Mannheim. Sie läuft noch bis Anfang Oktober.

Die Gartenschau wirbt damit, "die nachhaltigste Buga aller Zeiten" zu sein. Daus räumt aber ein: "Den Gartenbau an sich umzukrempeln, ist ein Prozess." Das sei natürlich nicht von jetzt auf gleich möglich. Es gebe jedoch viele kleine Bausteine, die zusammen einen großen Schritt Richtung Nachhaltigkeit ergeben würden.
Torffreie Erde, Pflanzen aus Deutschland
"Unsere Substrate auf der Buga sind zum Beispiel alle torffrei", erklärt er. Denn häufig ist in Pflanzenerde Torf enthalten, damit Feuchtigkeit besser gespeichert werden kann. Doch der Abbau von Torf ist problematisch, da er aus Mooren gewonnen wird und dabei große Mengen an Co2 freigesetzt werden. Außerdem werden keine chemischen Pflanzenschutzmittel auf der Buga eingesetzt, beim Düngen wird auf organische Substanzen gesetzt. Auch kommen die Pflanzen fast alle aus Deutschland, nur vereinzelt werde etwas aus Holland dazugekauft. "Rosen aus Afrika oder Südamerika gibt es bei uns nicht", versichert Daus.


Denn auch bei Schnittblumen, die eher eine schlechte Klimabilanz haben, lasse sich einiges verbessern, wenn man zum Beispiel auf regionale Blumen setzt. Es müssten nicht immer Rosen aus Afrika oder Tulpen aus Holland seien. Viele Blumen wachsen auch bei uns in Deutschland gut, so Daus. Klassischerweise seien das im Frühjahr die Tulpen, aber auch Trendgewächse wie Eukalyptus, Akazien oder das Trommelstöckchen, die häufig in gebundenen Sträußen verwendet werden, lassen sich in Deutschland anpflanzen.
Zwerg-Kirschen auf dem Naschbalkon anbauen
Neben diesen kleinen Stellschrauben gibt die Gartenschau laut Daus aber vor allem auch Impulse und zeigt, was in Sachen Nachhaltigkeit auf dem eigenen Balkon oder Garten überhaupt möglich ist. "Da gibt es auch ein großes Interesse bei unseren Besuchern", beobachtet Daus. Neben den Blumenhallen ist der 30-Jährige auch für die Themen Balkon- und Vertikalgarten zuständig. Hier zeigt die Schau, was man alles anbauen kann, ohne viel Platz zu haben.
Auf einem "Naschbalkon" zum Beispiel könne man Gurken, Tomaten oder Salat anbauen, aber auch Zwergsorten von Kirsche oder anderem Obst, die dann maximal einen Meter hochwachsen und trotzdem Früchte tragen. Ein anderer Schau-Balkon zeige, wie eine möglichst insektenfreundliche Bepflanzung aussieht.
Vertikalgarten kann für angenehmere Temperaturen sorgen
Auf großes Interesse stößt laut Daus auch der Vertikalgarten. Dabei geht es darum, Pflanzen möglichst in die Höhe und an Wänden entlang wachsen zu lassen. Man könne zum Beispiel einen Vlies-Stoff verwenden, der aufgefächert Platz für die Pflanzen bietet, die dann ohne Erde dort festwachsen. "Wir experimentieren hier viel, haben zum Beispiel Erdbeeren im Vlies angebaut", erzählt Daus.

Aber auch klassische Kletterpflanzen wie Efeu oder wilder Wein ließen sich gut auf dem Balkon anpflanzen. Ein schöner Nebeneffekt des vertikalen Anbaus: "Durch die Pflanzen entsteht Verdunstungskälte und das kann deutlich spürbar sein", erklärt Daus. Außerdem heizen sich die Wände weniger durch die Sonne auf.
Die Balkongärten sind auch einer der Lieblingsorte von Daus auf der Bundesgartenschau. "Die sollen ja wie der heimische Balkon wirken. Hier kann man auch nach Feierabend mal schön sitzen und sich anschauen, was man alles gemacht hat." Er selbst hat sich schon immer fürs Gärtnern interessiert und früher zum Beispiel selbst Kakteen gezüchtet. Einen eigenen Garten hat Daus zwar noch nicht, da er jobbedingt häufig umzieht. "Aber auf meinem eigenen Balkon habe ich natürlich einiges angepflanzt."
Drei einfache Tipps für mehr Nachhaltigkeit beim GärtnernGarten-Experte Max Daus gibt Tipps, wie sich das Gärtnern ganz einfach nachhaltiger gestalten lässt.Pflanzenauswahl: heimische, insektenfreundliche Pflanzen aus regionalen Gärtnereien pflanzen, die im Idealfall auch noch mehrjährig sind und nicht jedes Jahr neu gekauft werden müssenZielgenaue Bewässerung: Bei der direkten Bewässerung mit dem Schlauch verdunstet viel Wasser. Besser ist die Tröpfchenbewässerung, also zum Beispiel kleine Löcher in einen Schlauch bohren und diesen durch das Beet legen. So kann das Wasser gleichmäßig aufgenommen werden und kommt direkt dort an, wo es gebraucht wird.Torffreie Erde nutzen: Beim Torfabbau wird CO2 freigesetzt. Inzwischen gibt es viele Substrate, die auf Torf verzichten und stattdessen zum Beispiel Humus verwenden.(kaa)