Eine dramatische und brisante Situation, wie es sie noch nie seit Tag 1 der Corona-Pandemie gegeben habe. Schon die einleitenden Worte von Rhön-Grabfelds Landrat Thomas Habermann verdeutlichten, dass beim jüngsten Corona-Pressegespräch im Landratsamt momentan eher wenige gute Nachrichten zur aktuellen Lage verbreitet werden können.

Wenig überraschend, angesichts der regelrechten Zahlenexplosionen in den vergangenen Tagen im ganzen Land und insbesondere in Bayern. Der bayerische "Spitzenreiter" Rottal-Inn wies am Donnerstag beispielsweise eine nie dagewesene Sieben-Tage-Inzidenz von rund 1140 auf, bayernweit lag der Wert bei 427. Und auch der Landkreis Rhön-Grabfeld bildete im hohen Infektionsniveau keine Ausnahme.

Steigende Zahlen in den nächsten Tagen denkbar
"Mit der zunehmenden Öffnung des öffentlichen Lebens war leider mit einer deutlichen Zunahme der Inzidenz zu rechnen", so Habermann, der sich aber von der Schnelligkeit überrascht zeigte. Ob auch der Landkreis in der nächsten Zeit solche Inzidenz-Dimensionen erreichen könnte? Laut des Landrats und anderen Mitgliedern des Krisenstabs durchaus denkbar und nicht ausgeschlossen. Auch, dass die Situation unbeherrschbar werden kann. Schließlich würden sich bei einem exponentiellen Wachstum selbst bei einem sofortigen Gegensteuern positive Effekte erst einige Zeit später einstellen.

Dieses Gegensteuern fehlt aber seiner Ansicht nach dringend. Und so war es vor diesem Hintergrund auch wenig überraschend, dass Rhön-Grabfelds Landrat nicht an Kritik sparte in Richtung der großen Politik. Es hatte nicht die Dimension seiner "Trapattoni-Wutrede" im Mai zum Impfdesaster, aber es waren deutliche und klare Worte - in Richtung der geschäftsführenden und der zukünftigen Regierung.
Kraft und Mut zu einheitlichen Entscheidungen
"Die Politik hat momentan Angst, den Leuten etwas zuzumuten. Wegducken ist aber der falsche Weg. Wer keinen Mumm hat, sollte zurücktreten", so Habermann, der seine Worte als Weckruf von der Basis der Kommunalpolitik aus verstanden haben will. Es brauche nun Kraft und Mut zu notwendigen bundeseinheitlichen Entscheidungen, die Bevölkerung befinde sich in Trance und wolle die aktuelle Situation nicht wahrhaben.
Erst einmal in Fahrt griff der Landkreischef auch ein anderes Dauerbrenner-Thema auf: die Diskussion um ungeimpfte Fußballer, in erster Linie durch das "Geständnis" von Joshua Kimmich vom FC Bayern. Wenn Habermann Bundestrainer wäre, würden momentan keine ungeimpften Nationalspieler für Deutschland spielen. Diese hätten schließlich auch eine Vorbildfunktion. Der Landrat überlegt daher, Hansi Flick seinen Standpunkt in einer E-Mail nahezulegen.
Forderung nach flächendeckender Einführung von 2G
Aber nicht nur im Sportbereich, sondern für alle Bereiche des öffentlichen Lebens fordert Thomas Habermann eine sofortige Einführung der 2G-Regelung - mit Ausnahme von notwendigen Einkäufen, ÖPNV und Gottesdiensten. "Wo es rechtlich möglich ist, soll 2G gelten", so seine Aufforderung. 3G-Plus reiche nicht mehr. Die Einhaltung der Regeln, gerade dort, wo 2G gilt, werde man fortan zwar nicht flächendeckend, aber konsequent gemeinsam mit der Polizei kontrollieren. Habermann hält zudem aufgrund von falschen Anreizen nichts von der Rückkehr zu kostenfreien Tests und spricht sich auch für eine Impfpflicht im Gesundheits- und Bildungsbereich aus.

Aber auch den Geimpften rief der Landkreischef zu, nicht notwendige Kontakte im Inneren zu vermeiden und auch unter 2G-Voraussetzungen Vorsicht walten zu lassen. Schließlich seien zuletzt auch einige Impfdurchbrüche zu verzeichnen gewesen.
Kontaktnachverfolgung arbeitet eingeschränkt
Einen neuerlichen Lockdown - auch für einzelne Bereiche - wolle man tunlichst vermeiden, da dies nach Ansicht des Landrats auch nicht notwendig und zielgerichtet sei. Ausgeschlossen scheint aufgrund der dynamischen Lage aber nichts. Das zeigt sich nun auch im Bereich der Kontaktnachverfolgung, die mittlerweile nur noch eingeschränkt arbeiten kann. Aufgrund der Vielzahl an neuen Infizierten und deren Kontaktpersonen ist inzwischen eine Priorisierung auf das häusliche Umfeld (erhöhtes Infektionsrisiko) und auf Kontaktpersonen in vulnerablen Gruppen erfolgt. Gemeint sind hier Krankenhäuser, Altenheime, Kindergärten, Schulen und Pflegeeinrichtungen.
Die Nachverfolgung stellt sich auch deshalb schwierig dar, da das Virus momentan über den gesamten Landkreis hinweg wütet - in allen Bereichen und in allen Altersklassen. In der Woche vom 3. bis 9. November gab es die meisten Neuinfektionen in der Gruppe der 35- bis 59-Jährigen (112), gefolgt von den 15- bis 34-Jährigen (90), den 60- bis 79-Jährigen (51) und den 5- bis 14-Jährigen (44). Einstellige Werte gab es lediglich bei den ganz Kleinen und den über 80-Jährigen.
Ende der Herbstferien macht sich bemerkbar
In der aktuellen Woche würden sich laut des Gesundheitsamtes vor allem die "Nachwehen" der Herbstferien bemerkbar machen. Die Pooltestungen in den Schulen förderten bereits einige Neuinfektionen zutage. Das Ziel der Landkreis-Verantwortlichen sei aber weiterhin, die Klassen im Präsenzunterricht zu halten.
Die aktuellen Corona-ZahlenZum Donnerstag meldete das Robert Koch-Institut (RKI) 52 Neuinfektionen mit dem Coronavirus für Rhön-Grabfeld. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag bei 392,4, am Mittwoch war ein Wert von 394,9 verzeichnet worden. 469 Personen in Rhön-Grabfeld galten laut Statusupdate des Landratsamts zum Stand Donnerstag, 12 Uhr, als infiziert. 17 dieser Bürger befanden sich in stationärer Behandlung. Außerdem machte die Behörde die traurige Mitteilung, dass eine weitere Person aus dem Landkreis an oder mit dem Coronavirus gestorben ist. Das Landratsamt gab im Update des weiteren den Termin einer weiteren Sonderimpfaktion bekannt. So können sich Impfwillige am Sonntag, 14. November, von 12.30 bis etwa 15.30 Uhr in der Markthalle im Rathaus Bad Königshofen eine Schutzimpfung gegen das Coronavirus geben lassen.Quelle: chü/Landratsamt Rhön-Grabfeld