Das Wort "Depot" ist sicherlich etwas zu weit gegriffen, aber in einem Nebengebäude des Pfarrhauses stehen Kunstwerke bekannter Meister aus dem Münchner Raum. Dazu gehört eine lebensgroße Herz Jesu Statue und die Figur des knienden Aloysius ebenso wie Reste eines Bischofs- und Beichtstuhls aber auch Statuen, kirchliche Gewänder, Fahnen, geschnitzte und vergoldete Kanon Tafeln. Im Zuge der Kirchenrenovierung in den 1970er Jahren verschwanden sie ebenso wie Seitenaltäre, von denen teils nur noch Fragmente und Statuen vorhanden sind. Zu seinem Goldenen Priesterjubiläum unterstützten Bad Königshofener wohl den Pfarrer bei der Erneuerung der Kirchenfenster. Darauf jedenfalls verweisen, mittlerweile entfernte, Fenstertafeln mit der Aufschrift "Zur Erinnerung an das Goldene Priesterjubiläum Anno Domini am 1. Aug 1947." Sie sind heute im Archiv des Vereins für Heimatgeschichte.
Als in den 1985 er Jahren die Stadtpfarrkirche grundlegend saniert wurde, sorgte der damalige Stadtpfarrer Linus Eizenhöfer, dass zwei große Altarbilder von Oswald Onghers, die entsorgt werden sollten und ließ sie restaurieren. Sie sind heute in den Seitenschiffen zu sehen. Zwei Seitenaltäre, die einst im Keller des Pfarrhauses lagerten, stehen heute in der Kirche von Obererthal bei Hammelburg. Pfarrer Josef Treutlein, ein gebürtiger Königshöfer und einstiger Pfarrer von Hammelburg ließ sie in Obererthal als Seitenaltäre aufstellen. Dort passen sie perfekt zum Hochaltar. Beides sind Leihgaben und könnten, wenn gewünscht, wieder nach Bad Königshofen zurückgebracht werden.
Eine Herz-Jesu Statue stand einst als Gegenstück zur lebensgroßen Muttergottes Statue in der Stadtpfarrkirche. 1935 hat sie der damalige Pfarrer Adam Pfeuffer von Hans Sertl, einem Schüler von Professor Balthasar Schmitt in München schnitzen lassen. Derzeit fristet sie ihr Dasein im "Depot". Ebenso die Statue des Aloysius. Dazu gab es vor einigen Jahren auch eine Anfrage von Roswitha Busch-Hofer, in dem diese darauf verwies, daß ihr Großvater Georg Busch den knieenden Pagen Aloysius geschaffen hatte. Bad Königshofener wissen dazu, dass die Figur von Adam Pfeuffer wohl einst angeschafft wurde, als es noch die Aloysius-Sonntage gab. Diese gibt es seit den Jahren um 1960 nicht mehr.
Im Pfarrarchiv findet sich ein Brief von Adam Pfeuffer. Darin schrieb er: "O Kirche von Königshofen, wie wirst Du berühmt, weil Du die Abendrot-Kirche der Künstler bist. Der Pfarrer führt dazu an, daß Professor Baierl das Gemälde des Auferstehungsaltars schuf, allerdings danach starb, so daß die Seitenflügel nicht mehr von ihm selbst stammen. Er hinterließ allerdings Skizzen, die Oskar Martin vollendet hat. Professor Buscher schuf den Hochaltar konnte diesen allerdings auch nicht fertig stellen, weil er darüber starb. Lediglich die Engel links und rechts des Tabernakels sowie "Gottvater" und einige weitere Verzierungen stammen von ihm. Sein Freund Professor Georg Weckbecker vollendet den Altar, starb allerdings drei Wochen, nachdem das Kunstwerk in der Kirche von Königshofen aufgestellt worden war. Das war wohl der Grund, warum der Stadtpfarrer seine Kirche als "Abendrotkirche der Künstler" bezeichnete.
All dieses Künstler haben in der Kunstgeschichte einen großen Namen und nur durch die Kontakte Adame Pfeuffers wurde es möglich, dass diese Kunstwerke für die Stadtpfarrkirche schufen. So hat zum Beispiel Georg Busch unter anderem das Bronzegrabmal für Erzbischof Franz Joseph von Stein in der Frauenkirche von München geschaffen. Er wurde Papst Leo XIII 1893 und 1918 vom Bayerischen König ausgezeichnet und von Papst Benedikt XV. 1921 zum päpstlichen St. Silvesterritter ernannt. Busch schuf auch den Berliner Hausaltar für den späteren Papst Pius XII und den Herz-Jesu Altar in Bonn. Was aus den Kunstwerken in der Abstellkammer wird, bleibt wohl weiterhin im Dunkel.




