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Veitshöchheim: Die tollkühne Flucht vor 44 Jahren mit einem Heißluftballon aus der DDR nach Bayern

Veitshöchheim

Die tollkühne Flucht vor 44 Jahren mit einem Heißluftballon aus der DDR nach Bayern

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    Eine Zeitschrift aus der BRD, in der über das jährliche Ballonfahrertreffen in Albuquerque berichtet wurde, löste bei Günter Wetzel die Idee aus, dass dies eine Möglichkeit wäre, so die massiven Grenzanlagen der DDR mit Selbstschussanlagen und Minen zu überwinden.
    Eine Zeitschrift aus der BRD, in der über das jährliche Ballonfahrertreffen in Albuquerque berichtet wurde, löste bei Günter Wetzel die Idee aus, dass dies eine Möglichkeit wäre, so die massiven Grenzanlagen der DDR mit Selbstschussanlagen und Minen zu überwinden. Foto: Dieter Gürz

    Die Familien Wetzel und Strelzyk aus Pößneck in Thüringen riskierten am 16. September 1979 ihr Leben, um der DDR-Diktatur zu entkommen. Der geheime Nachtflug im Heißluftballon nach Bayern zählte zu den spektakulärsten Fluchtversuchen seit dem Mauerbau 18 Jahre zuvor. Noch nie zuvor war es DDR-Bürgern gelungen, mit einem selbstgebauten Fluggerät aus dem Osten in die Bundesrepublik zu fliehen.

    Johanna Hecke, Leiterin Forum Soziale Bildung Benediktushöhe, und Geschichtslehrer Patrick Freudenberger präsentierten in der Schulaula mit Günter Wetzel einen Zeitzeugen, der zwei Stunden lang aus erster Hand ausführlich erzählte, unter welchen Bedingungen das Leben in der DDR ablief, welche Gründe die Menschen zur Flucht veranlasste und spannende Details über die Flucht mit dem Heißluftballon. Anschließend stellte er sich den Fragen der rund 90 Zuhörenden, darunter rund 30 Jugendliche meist aus der Klasse 10b. Im Schnitt zweimal im Monat hält Wetzel Vorträge über seine spektakuläre Flucht, so nun auch in der Schulaula.

    Nur zwei Quadratmeter große Plattform

    Ausführlich in allen Details schildert er, wie sie um 2.30 Uhr aus dem Anhänger des kleinen Wartburg die 26 Meter lange und 100 Kilo schwere Ballonhülle, den Flammenwerfer, Propangasflaschen und die selbstgeschweißte Gondel abluden, die Ballonhülle mit erhitzter Luft aus dem mobilen selbstgebauten Gebläse füllten und den mit Propangas aus vier Flaschen gespeisten Flammenwerfer anwarfen.

    Hier ist die Gondel nach der Landung mit den aufgeschnittenen Wäscheleinen zu sehen. Es erscheint im Nachhinein unvorstellbar, dass auf dieser kleinen Fläche von zwei Quadratmeter rund um die vier Gasflaschen und dem Brenner in der Mitte vier Erwachsene und vier Kinder 18 Kilometer bis auf 2000 Meter bei Minus acht Grad 28 Minuten in der Luft mit einer Geschwindigkeit bis zu 50 Kilometern pro Stunde unterwegs waren, nur durch Wäscheleinen 80 Zentimeter hoch abgesichert.
    Hier ist die Gondel nach der Landung mit den aufgeschnittenen Wäscheleinen zu sehen. Es erscheint im Nachhinein unvorstellbar, dass auf dieser kleinen Fläche von zwei Quadratmeter rund um die vier Gasflaschen und dem Brenner in der Mitte vier Erwachsene und vier Kinder 18 Kilometer bis auf 2000 Meter bei Minus acht Grad 28 Minuten in der Luft mit einer Geschwindigkeit bis zu 50 Kilometern pro Stunde unterwegs waren, nur durch Wäscheleinen 80 Zentimeter hoch abgesichert. Foto: Dieter Gürz

    Auf die quadratische, nur zwei Quadratmeter große Plattform der Gondel drängten sich rund um die vier Gasflaschen und den Brenner in der Mitte der 37-jährige Peter Strelzyk, seine 31-jährige Frau Doris, ihre 15 und elf Jahre alten Kinder Frank und Andreas sowie die 24-jährigen Günter und Petra Wetzel mit ihren fünf und zwei Jahre alten Kindern Peter und Andreas. Als einzige Sicherung gegen den Absturz ragten an den vier Ecken 80 Zentimeter hohe Pfosten hoch, mit Wäscheleinen verbunden.

    Johanna Hecke, Leiterin Forum Soziale Bildung Benediktushöhe, und Geschichtslehrer Patrick Freudenberger präsentierten am 18. Dezember in der Schulaula des Gymnasiums Veitshöchheim mit Günter Wetzel einen Zeitzeugen der spektakulären Ballonflucht am 16. September 1979 aus der DDR.
    Johanna Hecke, Leiterin Forum Soziale Bildung Benediktushöhe, und Geschichtslehrer Patrick Freudenberger präsentierten am 18. Dezember in der Schulaula des Gymnasiums Veitshöchheim mit Günter Wetzel einen Zeitzeugen der spektakulären Ballonflucht am 16. September 1979 aus der DDR. Foto: Dieter Gürz

    Wie Wetzel erzählt, gab es einen großen Schreck schon auf der Startwiese am Waldrand, als Frank Strelzyk beim Kappen eines gespannten Halteseiles einen Erdhering mit voller Wucht gegen den Kopf bekam und stark blutete. Weil sich ein Haken nicht löste, hatte sich der Ballon quergelegt und die Ballonseide angefangen zu brennen. Doch per Feuerlöscher gelingt es Wetzel, blitzschnell den Brand zu löschen. Dann reißt auch noch eine Stoffkappe oben in der Mitte des Ballons. Doch der Ballon steigt gen Himmel bis etwa 2000 Meter Höhe, bis der Brenner kein Gas mehr hat, der Ballon sich dreht und es plötzlich steil bergab ging.

    Die Gondel landete krachend im Gebüsch

    Die Gondel streifte noch die hohen Baumwipfel, bis sie krachend im Gebüsch an einem Feldrand sieben Kilometer hinter der Grenze nahe des oberfränkischen Städtchens Naila landete. Günter Wetzel hatte sich dabei einen Muskelfaserriss am Bein zugezogen und musste eine Woche ins Krankenhaus. Seine Frau Petra brach sich beim Landeaufprall einige Zähne ab. Die Kinder blieben zum Glück unverletzt.

    Für Günter Wetzel begann  kurz nach Ballonlandung in Naila der ärgerliche Teil, denn er bekam Schmerzen in der rechten Wade und konnte nicht mehr laufen, so dass er eine Woche im Krankenhaus verbrachte, was ihn hinderte, an Interviews teilzunehmen. 
    Für Günter Wetzel begann kurz nach Ballonlandung in Naila der ärgerliche Teil, denn er bekam Schmerzen in der rechten Wade und konnte nicht mehr laufen, so dass er eine Woche im Krankenhaus verbrachte, was ihn hinderte, an Interviews teilzunehmen.  Foto: Dieter Gürz

    Auf die Gefährlichkeit der Flucht angesprochen, meinte Wetzel: "Da hat man gar nicht viel nachgedacht. Wir waren voller Adrenalin. Das Gefühl, dass alles gut gehen wird, hätten sie alle verinnerlicht. Wie Wetzel 1993 bei der Einsicht seiner 2000 Seiten umfassenden Stasi-Unterlagen in Gera feststellte, hätte diese nur noch sechs Tage gebraucht, um sie zu fassen. Beide Familien seien bis zum Fall der Mauer 1989 dann noch weiter intensiv beobachtet worden.

    Es entbehrt nicht einer gewissen Tragik, dass sich die Wege beider Familien nach der Flucht aus Imagegründen trennten. Erst im September 2018, als die von "Bully" Herbig verfilmte Flucht ein zweites Mal in die Kinos kam, gab es bei der Premiere ein Wiedersehen der beiden Familien, allerdings ohne Peter Strelzyk, der 2017 mit 74 verstorben war. In seiner neuen Heimat im Raum Hof hatte Wetzel ich sehr schnell eingelebt und als Kfz-Meister Fuß gefasst.

    Günter Wetzel erzählte als Zeitzeuge am Gymnaisum zwei Stunden lang aus erster Hand ausführlich, unter welchen Bedingungen das Leben in der DDR ablief, welche Gründe die Menschen zur Flucht veranlasste und spannende Details über seine Flucht mit dem Heißluftballon vor 44 Jahren.
    Günter Wetzel erzählte als Zeitzeuge am Gymnaisum zwei Stunden lang aus erster Hand ausführlich, unter welchen Bedingungen das Leben in der DDR ablief, welche Gründe die Menschen zur Flucht veranlasste und spannende Details über seine Flucht mit dem Heißluftballon vor 44 Jahren. Foto: Dieter Gürz
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