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Gaukönigshofen: Ochsenfurter Gau: Bodenschätzer findet den Acker der Superlative

Gaukönigshofen

Ochsenfurter Gau: Bodenschätzer findet den Acker der Superlative

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    Mit dem Schlegel und quadratischen Blechschalen entnehmen Uwe Lauterbach (oben) und Thomas Viertel Proben im Acker, deren Struktur später im Labor exakt herausgearbeitet und dauerhaft konserviert wird. 
    Mit dem Schlegel und quadratischen Blechschalen entnehmen Uwe Lauterbach (oben) und Thomas Viertel Proben im Acker, deren Struktur später im Labor exakt herausgearbeitet und dauerhaft konserviert wird.  Foto: Fabian Gebert

    Dass der Ochsenfurter Gau dank seines Lössbodens zu den fruchtbarsten Regionen Deutschlands zählt, ist sattsam bekannt. Worauf Bodenschätzer Dieter Knakowski auf einem Acker in einem Ortsteil von Gaukönigshofen (Lkr. Würzburg) aufmerksam geworden ist, versetzt aber selbst erfahrene Bodenkundler wie Dr. Martin Walter vom Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) in Erstaunen. Es ist vermutlich einer der fruchtbarsten Äcker weltweit, sagt er.

    Verantwortlich dafür ist Schwarzerde, die unter ganz bestimmten Voraussetzung nach der letzten Eiszeit entstanden ist und seitdem nahezu unberührt blieb. Roland Eichhorn, Leiter des Geologischen Diensts am LfU, beschreibt den Fund als Sensation, der nun einen angemessenen Platz im Bodenkundlichen Archiv des LfU erhalten soll.   

    Bodenschätzer Dieter Knakowski ist Mitarbeiter des Finanzamts Aschaffenburg und beschreibt sich als einzigen Landwirt in Diensten der unterfränkischen Steuerverwaltung. Seine Aufgabe ist es, den Ertragswert von Äckern festzustellen, der wiederum Grundlage für die Berechnung der Grundsteuer ist. Er geht dabei nach einem festen Bewertungsschema vor, das bereits bei der ersten Bodenschätzung in den 1930er Jahren angewandt wurde. Ergebnis ist ein Bodenkennwert auf der Skala zwischen 0 und bisher unerreichten 100.

    "Wir haben den Boden genau untersucht und konnten nur bestätigen: Es ist etwas ganz Außergewöhnliches in Bayern."

    Roland Eichhorn, Landesamt für Umwelt

    Bei seiner Beurteilung des Ackers bei Gaukönigshofen kam Knakowski auf einen Wert von 96, die höchste bisher in Bayern festgestellte Bodenqualität. Um sicher zu gehen, dass er sich nicht geirrt hat, bat er das LfU um die Überprüfung seiner Ergebnisse. "Wir haben den Boden genau untersucht und konnten nur bestätigen: Es ist etwas ganz Außergewöhnliches in Bayern", sagt LfU-Chefgeologe Roland Eichhorn.

    Die Entstehung des Schwarzerde führt zurück in die Zeit vor rund 10 000 Jahren. Der Ochsenfurter Gau glich damals einer Grassteppe, wie sie heute nur noch in Teilen Russlands und der Mongolei zu finden sei, so Eichhorn. Durch wiederholte Brände entstand kohlenstoffhaltige Asche, die sich im Boden ablagerte und die Grundlage für die extrem hohe biologische Aktivität des Bodens legte. Vom Kohlenstoff, der den Boden dunkel färbte, hat die Schwarzerde ihren Namen.

    Roland Eichhorn, Leiter des Geolgischen Dienstes am Landratsamt für Umwelt in Hof, erklärt die Entstehung der extrem fruchtbaren Schwarzerde nach der letzten Eiszeit vor rund 10 000 Jahren. 
    Roland Eichhorn, Leiter des Geolgischen Dienstes am Landratsamt für Umwelt in Hof, erklärt die Entstehung der extrem fruchtbaren Schwarzerde nach der letzten Eiszeit vor rund 10 000 Jahren.  Foto: Fabian Gebert

    In dem Loch, das Mitarbeiter des LfU gegraben haben, sind die unterschiedlich gefärbten Schichten deutlich zu erkennen. Bis in Pflugtiefe hat der Boden die gelblich-bräunliche Farbe des Löss angenommen, darunter ist er tiefbraun. Was auffällt, sind unzählige Röhren, die Regenwürmer bis in große Tiefe gegraben haben. Die Würmer gehören zu den wichtigsten Akteuren in Sachen Bodenfruchtbarkeit, sagt Dieter Knakowski. Ihre Röhren sorgen dafür, dass Wasser bei starken Niederschlägen tief in die Erde eindringen kann und für Monate gespeichert wird. In Trockenzeiten ermöglichen die Röhren eine Belüftung des Bodens, die Voraussetzung für das Wurzelwachstum. 

    "Während der natürliche Humusgehalt normalerweise bei zwei Prozent liegt, könnte er hier doppelt so hoch sein."

    Walter Martin, Landesamt für Umwelt

    Zusätzlich sind die Würmer ein unschlagbarer Düngererzeuger und produzieren aus den Pflanzenresten pro Hektar bis zu 50 Tonnen Humus, den sie tief in den Boden einarbeiten. Besonders für den humusarmen Lössboden sei dies von großer Bedeutung, sagt Walter Martin, am LfU verantwortlich für die Bodenkartierung. "Während der natürliche Humusgehalt normalerweise bei zwei Prozent liegt, könnte er hier doppelt so hoch sein", so Martin.

    In feuchte Tücher verpackt, werden die Bodenproben zur weiteren Bearbeitung ins Labor des Landesamts für Umwelt befördert.
    In feuchte Tücher verpackt, werden die Bodenproben zur weiteren Bearbeitung ins Labor des Landesamts für Umwelt befördert. Foto: Fabian Gebert

    Inzwischen ist LfU-Mitarbeiter Thomas Viertel in die Grube gestiegen. Mit einem Schlegel wird eine quadratische Blechschale in die senkrechte Seitenwand getrieben, der Inhalt danach mit dem Spaten abgestochen. Auf diese Weise bleibt die Bodenstruktur in der Probe – einschließlich der Wurzeln und Wurmröhren – vollständig erhalten, sagt Roland Eichhorn. Später im Labor werden die einzelnen Proben wieder zu einem Bodenprofil von einem Meter Länge zusammengesetzt und mit einem Klarlack dauerhaft konserviert.  

    Der Fundort bleibt geheim

    Eines dieser Bodenprofile wird im Bodenarchiv des LfU im oberfränkischen Marktredwitz eingelagert und kann dort gemeinsam mit rund 150 weiteren aus ganz Bayern auch besichtigt werden. Ein weiteres Profil stellt das LfU für Lehr- und Forschungszwecke Hochschulen und Instituten zur Verfügung. Eine drittes erhält der Eigentümer des Ackers, der übrigens ebenso ungenannt bleiben will, wie er den genauen Standort nicht preisgeben möchte.

    Dass es Schwarzerde-Vorkommen im Gau gibt, hat Dieter Knakowski schon länger vermutet, weil ihm der dunkle Boden auch andernorts schon aufgefallen sei. Dorthin sei er aber vermutlich durch Winderosion gelangt. Die Schwarzerde noch an ihrem ursprünglichen Entstehungsort vorzufinden, sei deshalb das Besondere. Wie groß das Vorkommen tatsächlich ist, kann Bodenkundler Walter Martin nur vermuten. Er schätzt, dass sich die Schwarzerde in größeren Flecken über den Gau verteilt. Auf Bodenschätzer Knakowski warten also vermutlich noch weitere Überraschungen.

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