José Carreras stand auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Der spanische Tenor war in aller Welt ein gefeierter Star. Bei Dreharbeiten für einen Film in Paris 1987 fühlte er sich schlecht und ließ sich in einem Krankenhaus untersuchen. „Nach den ersten Tests erklärte ich, dass ich gehen müsse“, erinnert sich der Sänger, der am Montag, 5. Dezember, 65 Jahre alt wird. Aber die Ärzte ließen ihn nicht fort. Sie mussten dem Musiker wenig später eröffnen, dass er an Leukämie litt.
„Beinahe ohne es zu merken, vertauschte ich den Beifall der Opernhäuser mit der Stille des Krankenzimmers“, schreibt Carreras in seiner Autobiografie „Aus vollem Herzen“. Mit Hilfe einer Knochenmark-Transplantation in den USA und einer monatelangen Therapie bezwang er den Blutkrebs. Die Krankheit ließ den Sänger, der ohnehin ein „Star der leisen Töne“ gewesen war, noch bescheidener werden. Seitdem gibt es ihn quasi doppelt – als Künstler und als Kämpfer gegen Krebs. Er gründete eine Stiftung und sammelte Millionen-Beträge für den Kampf gegen Leukämie. Seine alljährliche José-Carreras-Gala in der ARD gehört zu den erfolgreichsten Spenden-Shows im deutschen Fernsehen. Die nächste Gala steht am 15. Dezember in Leipzig auf dem Programm.
„Die Stiftung ist mir fast noch wichtiger als der Gesang“, sagte der aus Barcelona stammende Tenor einmal. Vor zweieinhalb Jahren gab Carreras das Ende seiner Opernkarriere bekannt. Er sei den körperlichen Strapazen einer Bühnenrolle nicht mehr gewachsen, begründete er seine Entscheidung. Er wolle sich deshalb auf Konzerte beschränken. Kritiker hatten zuvor festgestellt, dass die „Jahrhundertstimme“ ein wenig an Strahlkraft eingebüßt habe.
Nun, kurz vor seinem Geburtstag, bestätigten Carreras und seine zweite Ehefrau Jutta Jäger, eine ehemalige Stewardess, in einer gemeinsamen Erklärung Presseberichte, wonach das Paar sich getrennt hat. Sie hätten das Verfahren zu einer einvernehmlichen Scheidung eingeleitet, teilten Carreras und Jäger mit. Der Sänger hatte die Österreicherin 1985 auf einem Flug von Barcelona nach Wien kennengelernt und 2006 in Genf geheiratet. In erster Ehe war Carreras von 1971 bis 1992 mit der Spanierin Mercedes Pérez verheiratet, mit der er zwei Kinder hat.
Im Friseurladen der Mutter
Als kleiner Schuljunge hatte Carreras die Kundinnen im Friseurladen seiner Mutter mit seinen Liedern unterhalten und sich Trinkgelder zustecken lassen. Mit elf Jahren feierte er seinen ersten Opernauftritt, er sang in seiner Heimatstadt in einer Nebenrolle einen Sopranpart.
Nach dem Schulabschluss studierte er zunächst Chemie, entschied sich aber dann für das Wagnis einer Sängerkarriere. Schon bald gelang ihm der Sprung in Titelrollen. Dies hatte er auch der großen katalanischen Sopranistin Montserrat Caballé zu verdanken, die den jungen Tenor entscheidend förderte. Bald öffneten sich ihm die großen Opernhäuser der Welt.
1976 holte Herbert von Karajan ihn zu den Salzburger Festspielen. Ein Jahr später riss Carreras als Rodolfo in Puccinis „La Boheme“ – wieder mit Karajan – in der Wiener Staatsoper das Publikum zu 35 Minuten langen Beifallsstürmen hin. „Karajan hat mich geformt wie ein Stück Lehm“, sagte der Sänger einmal. Nach der Überwindung der Leukämie-Erkrankung wurde er als jüngstes Mitglied der „Drei Tenöre“, zu denen auch sein Landsmann Plácido Domingo und der 2007 gestorbene Italiener Luciano Pavarotti gehörten, einem Millionenpublikum bekannt. Das Trio hatte 1990 anlässlich der Fußballweltmeisterschaft in Italien zusammengefunden. Carreras ist selbst ein Fußballfan und glühender Anhänger des FC Barcelona.